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Wachstumslenkung bei X- und O-Beinen – wenn Beinachsen korrigiert werden müssen

Was sind X- und O-Beine?

Beinachsenfehlstellungen gehören zu den häufigsten Gründen, weshalb Eltern mit ihren Kindern in die Kinderorthopädie kommen. Beim Genu valgum – den sogenannten X-Beinen – weichen die Knie nach innen ab, während die Füsse auseinanderstehen. Beim Genu varum – den O-Beinen – ist es umgekehrt: Die Knie weichen nach aussen ab und stehen weit voneinander entfernt.

Wichtig zu wissen: Leichte X- und O-Beine sind im Kindesalter häufig und in bestimmten Altersstufen völlig normal. Die Beinachse verändert sich während des Wachstums natürlicherweise und korrigiert sich bei den meisten Kindern von selbst. Erst wenn die Fehlstellung deutlich ausgeprägt ist, sich nicht spontan bessert oder Beschwerden verursacht, ist eine Behandlung notwendig.

Wann sind X- oder O-Beine normal – und wann nicht?

Im Säuglingsalter haben nahezu alle Kinder leichte O-Beine. Im Alter von etwa 3 bis 4 Jahren entwickeln die meisten Kinder vorübergehend X-Beine, bevor sich die Beinachse bis zum Schulalter weitgehend normalisiert. Dieser Prozess ist physiologisch und bedarf keiner Behandlung.

Eine kinderorthopädische Abklärung ist empfehlenswert wenn:

  • die Fehlstellung im Schulalter zunimmt statt sich zu verbessern

  • die Fehlstellung deutlich asymmetrisch ist (ein Bein wesentlich stärker betroffen als das andere)

  • die Fehlstellung im Zusammenhang mit einer Grunderkrankung steht (z.B. Rachitis, Skelettdysplasie, Zerebralparese, Trisomie 21)

Was ist Wachstumslenkung?

Die Wachstumslenkung – auch temporäre Hemiepiphysiodese genannt – ist ein elegantes, minimalinvasives Operationsverfahren, das die natürliche Wachstumskraft des Kindes nutzt, um eine Beinachsenfehlstellung gezielt zu korrigieren.

An den Wachstumsfugen der Knochen – beim Knie am unteren Oberschenkelknochen (distaler Femur) und/oder am oberen Schienbein (proximale Tibia) – wächst das Kind täglich ein kleines Stück. Durch das Einsetzen einer kleinen Metallklammer (sogenannte 8-Plate oder Spannbandplatte) auf der Seite, die zu stark wächst, wird das Wachstum auf dieser Seite gebremst. Die gegenüberliegende Seite wächst ungehindert weiter – und der Knochen korrigiert sich dadurch Schritt für Schritt in die gewünschte Achse.

 

Das Prinzip ist einfach: Nicht der Chirurg korrigiert den Knochen – das Wachstum des Kindes selbst übernimmt die Korrektur.

Wie läuft die Operation ab?

Der Eingriff ist kurz und schonend. In Vollnarkose werden durch zwei kleine Hautschnitte (je etwa 2-3 cm) ein oder zwei kleine Metallplatten mit je zwei Schrauben am Knochen befestigt. Die Operation dauert in der Regel ca 60 Minuten  und wird ambulant oder mit kurzem stationärem Aufenthalt (in der Regel 2 Tage) durchgeführt. Eine Ruhigstellung im Gips ist nicht erforderlich. Die meisten Kinder können bereits am nächsten Tag wieder normal laufen und die Schule besuchen.

Sobald die gewünschte Beinachse erreicht ist, werden die Implantate in einem ebenso kurzen Eingriff wieder entfernt. Das Wachstum verläuft danach vollständig normal weiter.

Wie wirksam ist die Wachstumslenkung?

Die Wachstumslenkung mittels Spannbandplatte ist ein gut etabliertes und wissenschaftlich hervorragend belegtes Verfahren. Basierend auf aktuellen Studien aus der PubMed-Literatur lassen sich folgende Ergebnisse zusammenfassen:

Bei idiopathischen X-Beinen – also solchen ohne Grunderkrankung – wird in über 90% der Fälle eine vollständige oder sehr gute Korrektur der Beinachse erreicht. Die durchschnittliche Korrekturrate beträgt dabei etwa 4–5 Grad pro Jahr. Die Behandlungsdauer bis zur vollständigen Korrektur beträgt je nach Ausgangsbefund und verbleibendem Wachstum durchschnittlich 12 bis 18 Monate. Komplikationen sind selten und meist geringfügig – schwerwiegende Komplikationen treten in weniger als 5% der Fälle auf. Das Kniegelenk selbst wird durch den Eingriff nicht dauerhaft verändert.

Bei Fehlstellungen im Rahmen von Grunderkrankungen (z.B. Zerebralparese, Skelettdysplasie) sind die Ergebnisse weniger vorhersehbar und erfordern eine individuell angepasste Planung und engmaschige Kontrolle.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Operation?

Das Timing ist entscheidend. Für eine erfolgreiche Wachstumslenkung muss noch ausreichend Wachstumspotenzial vorhanden sein. Der ideale Operationszeitpunkt liegt daher in der Regel:

  • bei X-Beinen: zwischen dem 11.-14. Lebensjahr (je nach Geschlecht und Knochenreife)

  • bei O-Beinen: teils früher, da O-Beine häufig bereits im jüngeren Kindesalter behandlungsbedürftig sind

Eine zu frühe Operation ist unnötig – eine zu späte Operation kann die Chance auf eine vollständige Korrektur verpassen. Die Beurteilung des Wachstumspotenzials erfolgt durch eine klinische Untersuchung sowie eine Ganzbeinröntgenaufnahme und bei Bedarf eine Bestimmung des Knochenalters.

Was passiert nach der Operation?

  • Normale Belastung des Beines ist sofort möglich, Keine Gehstöcke notwenig

  • Sport ist nach 4 Wochen wieder erlaubt

  • Regelmässige Röntgenkontrollen alle 3–6 Monate zur Überprüfung der Korrektur

  • Sobald die Zielachse erreicht ist: Implantatentfernung in einem kurzen Eingriff

  • Nach Implantatentfernung: keine weiteren Einschränkungen, das Wachstum verläuft normal weiter

Was können Eltern zu Hause tun?

Eltern müssen nach einer Wachstumslenkung wenig beachten. Wichtig ist, die vereinbarten Kontrolltermine einzuhalten, da das Timing der Implantatentfernung sorgfältig geplant werden muss. Eine Über- oder Unterkorrektur lässt sich durch regelmässige Kontrollen zuverlässig vermeiden.

Tipps für Hausärzte und Kinderärzte

X- und O-Beine sind im Kindesalter häufige Vorstellungsgründe. Die Herausforderung besteht darin, physiologische Normvarianten von behandlungsbedürftigen Fehlstellungen zu unterscheiden. Folgende Punkte helfen bei der Einschätzung:

Als grobe klinische Orientierung gilt: ein intermalleolarer Abstand (bei X-Beinen, Knie zusammen) von mehr als 6–8 cm oder ein interkondylärer Abstand (bei O-Beinen, Füsse zusammen) von mehr als 5–6 cm im Schulalter rechtfertigt eine kinderorthopädische Zuweisung. Ebenso sollte bei deutlicher Asymmetrie, bei rascher Progredienz oder bei Fehlstellungen im Rahmen einer Grunderkrankung frühzeitig zugewiesen werden.

Für die Planung einer allfälligen Wachstumslenkung ist das Timing entscheidend: Eine zu späte Zuweisung kann die Möglichkeit einer minimalinvasiven Korrektur verpassen. Wir empfehlen daher, bei begründetem Verdacht nicht abzuwarten, sondern frühzeitig eine kinderorthopädische Beurteilung einzuholen – auch wenn das Kind noch keine Beschwerden hat.

Was können Sie als Eltern tun?

Wenn Sie unsicher sind, ob die Beinachse Ihres Kindes normal ist, oder wenn Ihr Kind über Knieschmerzen klagt oder auffällig geht, lohnt sich eine kinderorthopädische Abklärung. Mit einer einfachen klinischen Untersuchung und einer Röntgenaufnahme lässt sich schnell Klarheit schaffen.

Wir helfen Ihrem Kind gerne weiter – vereinbaren Sie jetzt einen Termin

 

Zweitmeinung willkommen: Wenn Ihnen andernorts bereits eine Operation empfohlen wurde und Sie sich noch nicht sicher sind – buchen Sie gerne einen Abklärungstermin. Wir nehmen uns Zeit, Ihre Situation sorgfältig zu beurteilen.

Viele Familien kommen auch für eine Zweitmeinung zu mir – das ist völlig in Ordnung und zeigt, wie verantwortungsvoll Sie mit der Gesundheit Ihres Kindes umgehen.

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Tel. 062 822 23 04 

Email: info.kinderortho@hin.ch

Website:www.kinderorthopraxis.ch

 

Gemeinsam sorgen wir dafür, dass Ihr Kind mit geraden, gesunden Beinen ins Erwachsenenleben startet.

Kinder- und Jugendorthopädie

Dr.med. Bernhard Speth 

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